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Platini fordert Schutz der sportlichen Werte
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UEFA-Präsident Michel Platini (©UEFA)
Die Verankerung der besonderen Charakteristika des Sports und der Autonomie der Sport-Behörden in der Gesetzgebung der Europäischen Union, der Beitrag der UEFA zur finanziellen Ausgeglichenheit innerhalb des europäischen Fußballs, das Transferverbot von jungen Spielern unter 18 Jahren - dies waren die wichtigsten Elemente der Grundsatzrede von UEFA-Präsident Michel Platini am Freitag beim Sportminister-Treffen der 27 EU-Nationen im französischen Biarritz.
Harte Maßnahmen Platini forderte die Minister und politischen Entscheidungsträger in Europa auf, harte und entschiedene Maßnahmen in den genannten Bereichen zu ergreifen, um die sportlichen Werte in Europa zu schützen. Der UEFA-Präsident versprach aber auch, dass sich der europäische Fußball an der zukünftigen Entwicklung Europas mit aller Kraft beteiligen werde. Er betonte, dass der Fußball - die Sportart, die Millionen Menschen in Europa begeistere - nicht bloß als ökonomisches Produkt oder wirtschaftliche Aktivität betrachtet werden dürfe.
Die Besonderheit des Sports "Mir ist bewusst, dass der Sport nicht über den Gesetzen stehen kann", sagte Platini vor den Ministern, "aber er ist etwas Besonderes. Der Sport ist keine wirtschaftliche Tätigkeit wie jede andere. Sport – das ist Teilen, das ist Über-sich-Hinauswachsen, das ist Geben und Nehmen, und das ist Respekt. Sport bedeutet Emotionen. Der Fussball ist zunächst ein Spiel und kein Produkt, ist zunächst ein Sport und kein Markt, ist zunächst ein Spektakel und kein Geschäft."
Einstellung muss sich ändern "Die Gleichbehandlung der Teilnehmer im Sport und das Gleichgewicht in den Wettbewerben dürfen nicht der Willkür der Märkte unterworfen werden. Europa muss sich radikal umorientieren. Es muss den Sport zum Vorbild nehmen, statt ihn in ein ideologisches Korsett zwängen zu wollen, das von anderswo übernommen wurde und dem es an Ausgewogenheit fehlt."
Europäisches Sportmodell "Als gute Bürger Europas bitten wir Sie, uns zu helfen, die Europäische Kommission davon zu überzeugen, Leitlinien vorzugeben, mit denen wir nach europäischem Recht und Gesetz handeln können, ohne unsere Autonomie einzuschränken. Denn was wir für die Zukunft brauchen, ist mehr Rechtssicherheit. Nur so kann das europäische Sportmodell geschützt werden – ein Modell, das auf einer Pyramidenstruktur, finanzieller Solidarität und dem Prinzip von Aufstieg und Abstieg basiert, was gleichbedeutend ist mit Zugänglichkeit der Wettbewerbe für alle: gross und klein, reich und weniger reich."
Finanzielles Fair Play und Transparenz Anschließend wendete sich Platini den Themen Finanzielles Fair Play und Transparenz zu. "Die Finanz-Rechtslage in Europa ist sehr vielschichtig...die Lizenzierungssysteme, die Kontrollmechanismen und das Finanzmanagement der Fußballklubs bestehen aus Myriaden von Konzepten und verschiedenen Reglements", sagte er.
Subsidiaritätsprinzip "Die UEFA wird es sich nicht zur Aufgabe machen, das europäische Steuerrecht zu harmonisieren. Die UEFA wird auch nicht den Nationalverbänden ihr Lizenzverfahren für deren eigene Wettbewerbe vorschreiben. Wir werden das nicht tun, weil wir genau wie Sie Anhänger des Subsidiaritätsprinzips sind", erklärte der UEFA-Präsident gegenüber den Ministern.
Das UEFA-Lizenzierungssystem verbessern "Was die UEFA hingegen tun kann – und wir denken ernsthaft darüber nach –, ist, unser eigenes Klublizenzierungsverfahren auszubauen und zu verbessern. Auf diese Weise möchten wir zum finanziellen Fairplay beitragen und damit beginnen, die Erwartungen der zahlreichen Akteure in unserem Sport zu erfüllen."
Kinderhandel Platini brachte anschließend seine Sorge hinsichtlich der Entwicklung junger Fußballer zum Ausdruck. "Ein Phänomen, dem wir heute in Europa und weltweit gegenüberstehen, ist Kinderhandel. Ich verwende bewusst deutliche Worte, denn die Lage ist ernst. Oder wie würden Sie eine Situation nennen, in der zwölf- oder dreizehnjährige Kinder über Ozeane und Grenzen gebracht werden, aus ihrer gewohnten Umgebung und ihrem Kulturkreis gerissen werden, um sie gegen Bezahlung einem Unternehmen einzuverleiben? Ich nenne das Kinderhandel. Und genau das passiert zur Zeit im Fussball."
Verbot der Transfers von Minderjährigen "Gemeinsam mit der FIFA sind wir dabei, nach Mitteln gegen diesen Handel zu suchen, aber schon jetzt gibt es Möglichkeiten, internationale Transfers von Minderjährigen zu verbieten, und zwar auch innerhalb der Europäischen Union. In zahlreichen europäischen Staaten existieren sehr strenge Vorschriften, die Klubs unter Androhung sportlicher Sanktionen daran hindern, in den Ausbildungszentren der Konkurrenz zu 'wildern'. Doch auf EU-Ebene gibt es keine solchen Regelungen."
Gefähliche Situation "Was die Klubs zu Hause nicht dürfen, das können sie bei ihren europäischen Nachbarn oder in Afrika bzw. Lateinamerika tun, mit verheerenden Folgen für die Ausbildungszentren sowie die Psyche und die schulische Bildung dieser Nachwuchsspieler. Wenn man sich vor Augen hält, dass von zehn Kindern in einem Ausbildungszentrum im Schnitt weniger als eines es bis zu einer Profikarriere schaffen wird, dann versteht man, in welch ungewisser Situation sich diese jungen Menschen befinden und wie wichtig es für sie ist, eine Ausbildung zu erhalten, die sie auf das Leben jenseits des Fussballs vorbereitet."
Hilfe für Spieler in Not "Vor diesem Hintergrund möchten wir internationale Transfers von Minderjährigen innerhalb der Europäischen Union verbieten können, so wie dies bereits ausserhalb der EU der Fall ist. Es handelt sich dabei nicht um eine Einschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit, sondern um einen dringenden Fall von Hilfe für Kinder in Gefahr."
Historischer Meilenstein "Biarritz kann einfach eine Tagung unter vielen sein. Es kann jedoch auch einen historischen Meilenstein darstellen bei der Verteidigung der Werte des Sports in Europa, die dieselben sind wie die Werte Europas im Allgemeinen", sagte Platini vor den Ministern zum Abschluss seiner Rede.
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